Neuer Sonderforschungsbereich an der TU Chemnitz

Werkstoffe 07. 02. 2025
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Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert Forschung zur ressourceneffizienten Leichtbauproduktion mit 16,4 Millionen Euro – Kooperation der TU Chemnitz mit TU Dresden, RWTH Aachen, TU Wien und Fraunhofer IWU

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat nach Mitteilung der TU Chemnitz einen neuen Sonderforschungsbereich/Transregio (SFB/TRR) mit dem Titel Intelligente Produktionstechnologien für Kunststoff-Leichtbau­strukturen mit belastungsdedizierter 3D-Gradierung der Verstärkungsarchitektur (kurz: DediGrad) bewilligt. Sprecherschaft und Koordination liegen bei der Technischen Universität Chemnitz unter der Leitung von Prof. Dr. Lothar Kroll. Neben den drei antragstellenden Hochschulen TU Chemnitz, TU Dresden und RWTH Aachen sind auch die TU Wien und das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) in Chemnitz und Dresden beteiligt. Das Forschungsteam setzt sich aus 27 Forschenden zusammen, darunter sechs Nachwuchswissenschaftler und Nachwuchswissenschaftlerinnen. Die Fördersumme für das ­Projekt beträgt 16,4 Millionen Euro für die erste Laufzeit von drei Jahren und neun Monaten.

Prof. Dr. Gerd Strohmeier, Rektor der Technischen Universität Chemnitz, freut sich sehr über die erfolgreiche Einwerbung des SFB/TRR DediGrad und dankt allen Beteiligten, vor allem dem Kollegen Lothar Kroll, sehr herzlich für ihr äußerst erfolgreiches Wirken: DediGrad stärkt unsere Kernkompetenz Ressourceneffiziente Produktion und Leichtbau enorm und steht zugleich für eine frucht­bare und erfolgreiche Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen und der TU Dresden.

Innovative Technologien für nachhaltigen Leichtbau

Das Projekt widmet sich der Entwicklung von neuartigen Produktionstechnologien für Leichtbaustrukturen, die ressourceneffizient, nachhaltig und gleichzeitig hochleistungsfähig sind. Ziel ist es, durch diese Technologien den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen in der Produktion sowie im Betrieb von Fahrzeugen und Maschinen deutlich zu senken.

Im Fokus steht nach Angaben der TU Chemnitz die Optimierung der Übergänge zwischen unterschiedlichen Materialien in Faserkunststoffverbunden. Diese Übergänge stellen derzeit eine der größten Herausforderungen für die Serienfertigung dar, da sie maßgeblich die Belastbarkeit und Lebensdauer der ­Bauteile beeinflussen. Mit Hilfe der sogenannten 3D-Gradierung sollen fließende Materialübergänge erzeugt werden, die sich gezielt an die Belastungsanforderungen der Bauteile anpassen. Diese Methode ermöglicht eine graduelle Änderung der Verstärkungsstrukturen, was die mechanischen Eigenschaften verbessert und den Materialeinsatz optimiert.

Kombination bewährter und ­neuer Produktionsprozesse

Ein weiterer Schwerpunkt des Sonderforschungsbereichs liegt in der Entwicklung von kombinierten Produktionsverfahren, die sich durch ihre Großserientauglichkeit auszeichnen. Dabei werden klassische Fertigungstechniken wie Spritzgießen und Pressen mit neuen Ansätzen zur Verarbeitung von Faserverbundwerkstoffen kombiniert. In der ersten Förderphase konzentriert sich das Forschungsteam auf flächige und profilförmige Komponenten. Diese grundlegenden Bau­teile dienen als Testobjekte für die entwickelten Gradierungstechnologien.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Untersuchung und Optimierung der Prozesse zur schonenden Integration gradierten Halbzeuge sowie zur gezielten Anpassung der Faserarchitektur während des Herstellungsprozesses, berichtet die TU Chemnitz. Durch systematische Simulationen und multikrite­rielle Optimierungen sollen die optimalen Werkstoff-, Geometrie- und Prozessparameter identifiziert werden.

Das iEP-System: Intelligente Unterstützung für Ingenieurinnen und Ingenieure

Zentrales Ergebnis wird ein intelligentes Entwicklungs- und Produktionssystem (iEP-System) sein, das Ingenieurinnen und Ingenieure bei der Konzeption und Fertigung von Leichtbaustrukturen unterstützt. Dieses System verarbeitet Daten aus Design, Produktion und Recycling und schlägt die optimalen Material- und Prozesskonfigurationen vor. Dabei berücksichtigt es nicht nur technische Anforderungen, sondern auch Nachhaltigkeitsaspekte. So wird sichergestellt, dass die entwickelten Lösungen ressourceneffizient und umweltfreundlich sind.

Die Forschungsergebnisse könnten künftig in verschiedenen Bereichen zum Einsatz kommen, beispielsweise in der Automobilindustrie, im Schienenverkehr, in der Luftfahrt und im Landmaschinenbau. Ziel ist es, die Produktion von Leichtbaustrukturen so zu revolutionieren, dass diese leistungsfähiger sind sowie eine erhöhte Lebensdauer aufweisen.

Intensive Zusammenarbeit für ein zukunftsweisendes Projekt

Die Bewilligung dieses Projekts ist das Ergebnis von intensiver Vorbereitung und enger Zusammenarbeit. Es war nach Aussage von Prof. Dr. Kroll eine echte Herkulesaufgabe. In den letzten Jahren haben wir intensiv daran gearbeitet, die beteiligten Einrichtungen mit ihren unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten zusammenzubringen und komplementäre Ansätze zu bündeln. Beson­ders wichtig sei es gewesen, die unterschiedlichen Perspektiven und Expertisen der beteiligten Standorte zu vereinen und eine gemeinsame Vision zu entwickeln. Wir wollen nicht nur neue Technologien entwickeln, sondern auch einen Beitrag zu nachhaltigem Klimaschutz leisten. Die Förderung durch die DFG zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, so Kroll.

Kontakt

Prof. Dr. Lothar Kroll, Professur Strukturleichtbau und Kunststofftechnik (SLK), E-Mail: slk@mb.tu-chemnitz.de

Text zum Titelbild: Prof. Dr. Lothar Kroll ist Sprecher des neuen Sonderforschungsbereichs/Transregios Dedi­Grad (Bild: Jacob Müller)

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